Einfach losfahren: Unser spontaner Roadtrip durch Aragón und Kastilien – Calatayud und das leergefegte Spanien (Teil 2)

Ende April 2026 haben wir uns spontan für einen Roadtrip entschieden, da wir einige Tage frei hatten. Wir hatten nur eine grobe Idee, wohin wir von Barcelona aus fahren wollten. Kurzentschlossen hatten wir Belchite in Aragón besucht. Lies Teil 1 unseres Roadtrips.

Wir hatten an einer Führung durch das Freilichtmuseum von Belchite teilgenommen – ein Ort, der an den furchtbaren spanischen Bürgerkrieg erinnert. Da die Führung über 90 Minuten dauerte, merkten wir bei unserer Weiterfahrt, dass wir am selben Tag Soria nicht mehr erreichen würden – wo wir ursprünglich hin wollten.

Spontan entschieden wir uns daher für die Kleinstadt Calatayud, wo wir im Internet ein viel versprechendes Hotel fanden in einem alten Kloster (Hotel Monasterio Benedicto). Die Zimmer waren leider nicht so komfortabel. Dafür war aber das Abendessen im Hotelrestaurant in der alten Klosterkirche. Das drei Gänge Menü war sehr fair gepreist und die Qualität war sehr ordentlich, so dass es absolut empfehlenswert ist, hier zu speisen.

Leider regnete es stark an diesem Abend, so dass unser Abendspaziergang durch den Ortskern nicht sehr angenehm war. Viele Geschäfte waren (permanent) geschlossen. Also entschieden wir uns nach dem Abendessen ins Bett zu gehen und uns für den nächsten Tag auszuruhen.

Gestärkt nach einem prima Frühstück ging es weiter. Ich hatte von alten römischen Ruinen gelesen nicht weit entfernt von Calatayud. Und so fuhren wir nach Augusta Bilbilis, etwa 4 km nördlich der Stadt, gelegen auf einem Berg. Die Strasse rauf in den Berg wurde schnell zu einem unebenen Schotterweg, den man bis zum Ende folgen musste, um den Parkplatz zu erreichen. Von hier waren es knapp 10 Minuten zu Fuss, um zum römischen Ortskern zu gelangen.

Viele Strukturen sind erhalten geblieben – so dass Forum Romanum, der zentrale Platz einer jeden römischen Stadt. Von hier aus konnte man wunderbar in das alte Amphitheater sehen, was einer natürlichen Mulde errichtet wurde. Hier und da waren Erklärungstafeln über die vereinzelten Ruinen. Die Aussicht war prächtig. Wir konnten weit über die Landschaft sehen und der Kontrast konnte nicht stärker sein. Hier die alte 2000 Jahre alte römische Siedlung (um das Jahr 27 vor Christus gegründet) und unten im Tal rauschte der Hochgeschwindigkeitszug von Barcelona nach Madrid mit 300 Stundenkilometern entlang.

Wir hielten uns etwa eine Stunde in Augusta Bilbilis auf, bevor wir die Talstrasse entlang des Flusses Jalón fuhren. Wir hatten uns bereits beim Frühstück entschieden, dass wir nicht bis Soria fahren würden, da es doch sehr viel Umweg bedeutet hätte. Wie immer waren wir sehr spontan und würden in der Zukunft einen weiteren Roadtrip planen – und dann in Soria und Umgebung bleiben.

Die Dörfer von Kastilien und León

Am Abend zuvor hatte ich bei meiner Internetrecherche eine unglaublich gut erhaltenen Burg in einem kleinen Dorf in Kastilien gefunden. Also fuhren wir Richtung Berlanga de Duero, einem Dorf mit 900 Einwohnern. Wir verließen das eher hügelige Aragón und kamen nach Kastilien, besser gesagt in die autonome Region Kastilien und León. Man merkte sofort, dass sich die Landschaft änderte. Wir befanden uns in weiten Ebenen, die von Landwirtschaft geprägt sind. Gefühlt kamen wir alle 10 km wieder an einem sehr kleinen Dorf vorbei. Aus Neugier hielten wir spontan in einem Dorf entlang der Landstraße an und machten eine spannende Entdeckung.

Demografischer Brennpunkt

Das „leergefegte“ Spanien

Die demografische Struktur in Kastilien und León zeigt eine extreme Zersplitterung in Kleinstsiedlungen. Von den 2248 eigenständigen Gemeinden weisen die allermeisten eine verschwindend geringe Bevölkerungszahl auf, wie aktuelle Daten verdeutlichen. Ein genauer Blick auf die Bevölkerungsstufen zeigt, dass 721 Gemeinden knapp ein Drittel aller Orte ausmachen und unter einhundert Einwohner zählen. Die Kategorie der Orte mit 101 bis 500 Einwohnern bildet mit 1218 Gemeinden die größte Gruppe. Insgesamt haben 1939 Kommunen weniger als 500 Einwohner. Damit bestehen 86 Prozent aller Gemeinden aus Dörfern mit minimaler Einwohnerzahl, was diese Region zum Kerngebiet des leergefegten Spaniens macht.

Das verschlafene Dorf, Morón de Almazán, zählt etwa 200 Einwohner und gehört damit zu einem dieser 1900 Dörfer, die unter 500 Einwohner haben. Wir parkten an der Straße und gingen Richtung Ortskern, wissend dass sich an der Plaza Mayor normalweiser Kirche und Rathaus befanden. Diese waren in einem unglaublich gut erhaltenen Zustand. Das ganze Dorf war restauriert und herausgeputzt. Es war ziemlich heiß. Vielleicht haben wir deswegen keine Menschenseele gesehen. Wir hätten auch gerne etwas gegessen, aber leider gab es keine einzige Bar im ganzen Dorf. Deswegen verweilten wir nicht lange und reisten weiter.

Nur 30 Minuten späterkamen wir in Berlanga de Duero an mit seiner atemberaubenden Burg. Die Burg liegt am Rand einer tiefen Schlucht und diente dazu, die Handels- und Verkehrswege entlang des Duero im Königreich Kastilien zu schützen. Ihre Ursprünge reichen bis zu einer arabischen Festung zurück. Der noch erhaltene, quadratische Palast mit seinen runden Ecktürmen und Geschützscharten stammt aus dem 16. Jahrhundert. Ab 2019 wurde die Burg für etwa eine Million Euro aufwendig restauriert und für Besucher geöffnet.

Wir haben einige tolle Aufnahmen gemacht. Leider war die Burg zur Mittagszeit geschlossen und wir konnten sie nicht erkunden. Dafür fanden wir beim Schlendern durch das Dorf ein ordentliches Restaurant, wo wir für 15 Euro ein 3-Gänge-Mittagsmenü zu uns nahmen. Wir nutzten die Pause ebenfalls, um ein Hotel in der Gegend zu suchen und stießen auf eine tolle Option: Ein Wellness-Hotel im Dorf El Burgo de Osma mit unglaublich viel Geschichte.

So kamen wir im Nachmittag in El Burgo de Osma an, einem Dorf, von dem wir noch nie in unserem Leben gehört haben. Und doch war er einmal bedeutsam und mehrere historische Gebäude zeugen davon wie die Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale. Die Kathedrale wurde im gotischen Baustil errichtet und steht auf dem Gelände einer früheren romanischen Kirche. Sie zählt zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Bauwerken des Landes und gilt als eines der herausragendsten Beispiele der gotischen Architektur des 13. Jahrhunderts in Spanien. Mit dem Bau wurde 1232 begonnen, die Fertigstellung erfolgte 1784. Das Kloster stammt aus dem Jahr 1512, der Turm wurde 1739 errichtet.

Ein weiteres wichtiges Gebäude ist das Hospital de San Agustín an der Plaza Mayor – gleich gegenüber dem Rathaus des Dorfes. Das Krankenhaus wurde im 17. Jahrhundert gebaut und ist heute ein Museum. Wir tranken Kaffee auf dem Platz – mit dem Rathaus im Hintergrund – denn wir mussten noch auf unser Zimmer warten.

Am späten Nachmittag konnten wir dann endlich in unser Hotel – Castilla Termal Burgo de Osma. Es war ein absolutes Highlight gelegen in einer alten Universität aus dem 16. Jahrhundert.

Die Päpstliche und Königliche Universität St. Katharina (spanisch: Pontificia y Real Universidad de Santa Catalinaoder Universidad de Osma) wurde 1541 vom Bischof von Osma, Pedro Álvarez de Acosta, gegründet. Sie erhielt 1550 durch eine Bulle von Papst Julius III. die päpstliche Anerkennung und wurde 1562 unter den Schutz von König Philipp II. von Spanien gestellt, wodurch sie den Doppeltitel einer päpstlichen und königlichen Universität führte. Die Universität umfasste Fakultäten für Künste, Kirchenrecht, Medizin und Theologie. Nach einer Blütezeit bis ins 18. Jahrhundert wurde sie 1841 geschlossen. 

Das Gebäude ist quadratisch und um einen großen Innenhof mit Säulen angelegt. Über dem Eingang an der Hauptfassade thront das königliche Wappen Philipp II. von Spanien, der über ein Weltreich herrschte. Im Inneren beeindruckt ein zweistöckiger Renaissance-Innenhof mit einer repräsentativen Treppe. Der zentrale Hof ist von Doppelarkaden umgeben, die auf Säulen mit glatten Schäften ruhen.

2010 wurde es zu einem Thermal-Hotel umgebaut. Der Zutritt zum Spa ist im Zimmerpreis enthalten, so dass wir einen Termin buchten für den frühen Abend. Das Hotel und der Spa waren sehr gut besucht, wir verbrachten eine Weile unter Massagedüsen im Schwimmbad im Untergeschoss. Danach gingen wir noch einmal in den Ort und suchten uns eine Tapas-Bar fürs Abendessen.

El Burgo de Osma war für uns eine sehr positive Überraschung. Der Ort war sehr gut erhalten, sauber und abends – trotz der nur 5000 Einwohner – hatte es eine besondere, sehr lebendige Atmosphäre. Wir wollen definitiv noch einmal zurückkommen!

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