Burg Abenteuer: Eine zweitägige Reise von Barcelona ins historische Cardona
Diesen Juli machten Michael und ich einen eher spontanen Ausflug, um für eine Nacht aus Barcelona zu entfliehen. Da wir begonnen haben, eine ganz besondere spanische Hotelkette zu lieben – die Paradores – suchte ich nach einem ihrer Hotels nicht allzu weit von der Stadt entfernt. Die Paradores sind eine Sammlung historischer Hotels, die oft in Burgen, Palästen, Klöstern und anderen kulturell bedeutenden Gebäuden untergebracht sind. Sie wurden gegründet, um den Tourismus zu fördern und gleichzeitig Spaniens kulturelles Erbe zu bewahren. Tatsächlich handelt es sich um ein staatliches Unternehmen. Meine Wahl fiel auf die Castell de Cardona – nur etwa 85 km von Barcelona entfernt – wo man sogar im Schloss auf einem felsigen Hügel übernachten kann. Wir mieteten ein Auto und machten uns schon am nächsten Tag auf den Weg!

Die Fahrt war sehr angenehm. Durch die katalanische Landschaft zu fahren ist immer ein Genuss. Unterwegs passierten wir das berühmte Bergkloster Montserrat. Dieser ikonische Berg liegt uns sehr am Herzen, und jedes Mal, wenn wir ihn sehen, an ihm vorbeifahren oder dort wandern, sind wir aufs Neue beeindruckt. Das Kloster liegt auf etwa 800 m Höhe in den Bergen und wurde vor rund 1000 Jahren erbaut.
Nach etwa 1 Stunde und 45 Minuten auf kurvigen und hügeligen Autobahnen und Landstraßen erreichten wir schließlich unser Ziel und checkten sofort im Hotel ein: Parador de Cardona.
Die Burg von Cardona
Die erste Version der Burg wurde im Jahr 886 erbaut, um die Grenze zwischen den katholischen katalanischen Grafschaften und den muslimischen Herrschaftsgebieten der Mauren zu befestigen. Im Laufe der Zeit wurde sie der Adelsfamilie Cardona übertragen, zusammen mit den exklusiven Rechten zur Ausbeutung der nahegelegenen Salzmine. Dadurch wurde die Familie zur reichsten im gesamten Königreich Aragon – gleich nach der königlichen Familie selbst.
Nach der Niederlage der Mauren verlor die Burg ihre strategische Bedeutung. Die Familie zog es vor, in ihrem Palast in Barcelona nahe der königlichen Familie zu wohnen. Während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714) wurde die Burg stark beschädigt und litt später auch während des Spanischen Bürgerkrieges (1936–1939). Erste Restaurierungsarbeiten begannen in den späten 1950er-Jahren.


1976 wurde die Burg von den Paradores übernommen und umfassend restauriert. Wie auf ihrer Website beschrieben, gelang ein Gleichgewicht zwischen Erhalt und Modernisierung: mittelalterliche architektonische Elemente wie Gräben, Türme und gotische Mauern wurden bewahrt, während die Innenräume für moderne Gastfreundschaft angepasst wurden – mit komfortablen Gästezimmern, einem Restaurant im ehemaligen Refektorium und einer Einrichtung im historischen Stil. Wir verbrachten eine wunderbare Nacht im Hotel und fühlten uns ein wenig wie Adelige.


Wir buchten außerdem eine Führung über das Burggelände und durch die beeindruckende romanische Kirche. Diese sehr gut erhaltene Kirche wurde im Jahr 1040 fertiggestellt. Wenn du in Cardona bist, ist diese Führung absolut empfehlenswert.



Das Dorf Cardona
Das Dorf Cardona mit etwa 4.000 Einwohnern ist sehr angenehm. Sein historischer Kern ist sehr alt, und ein Spaziergang durch die engen Gassen macht großen Spaß. Du findest dort viele kleine lokale Geschäfte.
Wir genossen einen entspannten Nachmittag und Abend auf der Plaça de la Fira und hatten ein großartiges Mittagsmenü im „El Centru„. Wir entschieden uns für dieses lokale Restaurant, aber man kann natürlich auch im Restaurant des Schlosses essen. Unsere bisherigen Erfahrungen mit Restaurants in Paradores waren immer sehr gut.


Die Salzmine von Cardona
Die örtliche Salzmine spielte über Jahrtausende eine wichtige Rolle für die Region. Schon in prähistorischer Zeit sammelten Menschen Salz aus den leicht zugänglichen Salzadern an der Oberfläche. Die Römer begannen später mit einer systematischeren Ausbeutung der Lagerstätten.
Im Mittelalter wurde Salz zum „weißen Gold“, da es für die Konservierung von Lebensmitteln strategisch wichtig war. Als die Familie Cardona die Mine besaß, gehörte sie zu den reichsten Familien des Königreichs.
Erst als die Salzpreise stark fielen, verlor die Familie das Interesse und verkaufte die Mine in den 1920er-Jahren an die Unión Española de Explosivos – ein Unternehmen, das Sprengstoffe herstellte und nach bestimmten Salzen suchte, die für die industrielle Produktion von Explosivstoffen benötigt wurden.

1990 wurde die Salzmine geschlossen und dient seit 2003 als Touristenattraktion. Wir buchten eine Führung durch die Mine – wirklich faszinierend. Für den Besuch solltest du etwa eine Stunde einplanen.





Wie kommst du von Barcelona nach Cardona?
Mit dem Bus
- Die Busverbindung von Barcelona nach Cardona wird von ALSA betrieben und startet an der Estació del Nord.
- Frequenz: Normalerweise fahren täglich etwa 2–4 Busse, je nach Wochentag und Saison.
- Fahrzeit: Etwa 1 Stunde 45 Minuten bis 2 Stunden für rund 90 km Strecke.
- Ticketpreis: Einfachfahrt meist zwischen 8 € und 12 €, abhängig vom Tickettyp.
Hinweis:
Der Bus kommt direkt im Zentrum von Cardona an, was sehr praktisch ist. In den ALSA-Fahrplänen ist die Strecke häufig als Verbindung Richtung Andorra über Súria angegeben – achte also auf dieses Ziel bei der Suche nach der Verbindung.
Mit dem Mietwagen
In Spanien ist Autofahren sehr einfach. Die Autobahnen sind meist nicht stark befahren – außer vielleicht in der Nähe großer Städte. Es gilt ein Tempolimit von 120 km/h. In Barcelona findest du zahlreiche Filialen großer Autovermieter wie Hertz, Sixt oder Europcar. Es empfiehlt sich, ein GPS zu nutzen – entweder im Mietwagen oder über dein Smartphone mit Google Maps oder Apple Maps. Die Fahrzeit beträgt ungefähr 1 Stunde 45 Minuten, je nach Verkehr in Barcelona. Mit dem Auto bist du flexibel und kannst – wenn du mehr Zeit hast – auch die schöne Umgebung rund um Cardona erkunden.
Essen und Trinken in Cardona
- Das Frühstücksbuffet im Schloss für etwa 20 € pro Person hat uns sehr gefallen. Es wird im alten Refektorium serviert – einer Galerie mit spitzbogigen Arkaden.
- Ein weiteres Highlight war das dreigängige Mittagsmenü für etwa 18 € pro Person im El Centru an der Plaça de la Fira.
- Natürlich kannst du auch im Restaurant des Schlosses zu Abend essen.
Reisetipp für deinen Burg-Kurztrip von Barcelona
- Der Bus hält nah genug, sodass du direkt zum Hotel laufen kannst. Beachte jedoch: Du musst über den alten Festungsweg hinaufgehen. Mit einem Trolley oder schwerem Gepäck kann das etwas mühsam sein.
- Wenn du nicht übernachten möchtest, kannst du den Bus um 6:30 Uhr morgens nehmen und mit dem Bus um 17:15 Uhr zurückfahren. So hast du einen ganzen Tag Zeit, um die Salzmine, die Burg und die historische Altstadt zu erkunden.
- Und noch ein Tipp: Buche unbedingt die Führung über das Burggelände – sie lohnt sich! (ca. 8 € pro Person)

